Psychofutter: Gute Vorsätze

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Zugegeben, das Jahr 2022 ist schon eine Weile im Gange. Das Thema der guten Vorsätze könnte für den ein oder anderen von euch vielleicht trotzdem noch immer interessant sein. Ist es schließlich fast schon Tradition, dass Menschen sich mit der Jahreswende gute Vorsätze für das bevorstehende Jahr stecken. Statistisch betrachtet, sind die wohl häufigsten Neujahrsvorsätze Gewicht zu verlieren, mehr Sport zu treiben, gesünder zu essen, mit dem Rauchen aufzuhören oder mehr Geld zu verdienen. Ebenfalls statistisch betrachtet, werden mindestens die Hälfte aller Menschen, die sich gute Vorsätze in den Kopf gesetzt haben, diese nicht erreichen, sondern sie bereits nach wenigen Wochen oder Monaten über Bord werfen. Tendenz steigend. Doch warum ist das so?

Der Grund für unser Scheitern ist häufig das sogenannte „Falsche-Hoffnung-Syndrom (False-Hope-Syndrome). Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass wir Menschen häufig dazu neigen, uns unrealistische Ziele zu stecken. Und das läuft dann in etwa so ab: Beispielsweise nehmen wir uns fest vor, abzunehmen und schlanker zu werden. In den ersten Wochen fällt uns das oft noch leicht. Wir sind überaus motiviert, halten Diät, essen bewusst kalorienarm und gesund, wir treiben regelmäßig Sport und verzichten auf Süßes. Und unsere Waage belohnt uns für unser zielführendes Verhalten, indem wir bereits nach kurzer Zeit sichtbar an Gewicht verlieren. Wir bekommen ein Gefühl von Kontrolle. Wir wissen, was wir tun müssen, um unser Ziel zu erreichen. Unsere Mühe zahlt sich aus, unser Plan geht auf.

Doch aufgepasst. Bereits nach einigen Wochen merken wir, dass uns das Abnehmen plötzlich nicht mehr so leicht fällt. Vielleicht können wir uns nicht mehr täglich zum Sport aufraffen, vielleicht hat uns der Alltagsstress dazu verleitet, mehr Süßes zu essen als wir vorhatten oder vielleicht gehen uns beim Zubereiten gesunder Speisen allmählich die Ideen aus. Das Schlimmste jedoch ist, dass unsere Pfunde auf der Waage plötzlich nicht mehr so leicht purzeln. Und dann begehen wir häufig einen kognitiven Fehler. Wir denken, dass unser Abnehmverhalten, das uns bisher Erfolg gebracht hat, plötzlich nicht mehr funktioniert. Wir sind verwirrt. Genau das Gleiche, was wenige Wochen zuvor noch geholfen hat, um abzunehmen, klappt jetzt auf den ersten Blick nicht mehr so zuverlässig wie vorher. Wir erleben einen Kontrollverlust. Und geben auf.

Unser anfänglicher Optimismus und unser (zunächst) schneller Erfolg beim Abnehmen haben uns eine unrealistische Erwartung darüber beschert, wie schnell wir unser Gesamtziel erreichen können. Darüber sind wir nicht nur herb enttäuscht, sondern wir haben zudem auch noch das Gefühl, keinen Einfluss auf unsere Zielerreichung zu haben. Und das kann ganz schön lähmen und demotivieren. Doch im Grunde wissen wir oft sehr genau, mit welchem Verhalten wir unser Ziel erreichen können. Der Fehler liegt meist eher darin begründet, dass wir eine konstante, lineare Gewichtsabnahme erwarten. Stattdessen sollten wir uns darauf einstellen, dass wir auf unserem Weg zum Ziel auch Durststrecken erleben werden, dass unsere Motivation Schwankungen unterliegt und dass Erfolg selten geradlinig verläuft

„Jeder Schritt ist ein Schritt zum Ziel. Das gilt auch für die RückSCHRITTE.“ (Ernst Jünger)

Veränderung ist ein Prozess. Und ein solcher Prozess beinhaltet auch Rückschläge. Wir Menschen sind alle keine Maschinen und so wird es gute Tage geben, an denen wir uns motiviert und zuversichtlich fühlen, unser gestecktes Ziel eisern und bedingungslos zu verfolgen, und es wird schlechte Tage geben, an denen wir uns schwerer tun werden, dran zu bleiben. Seien wir also gnädig mit uns selbst und planen solche Rückschläge schon vorher als Teil auf unserem Weg zu einer besseren Lebensführung ein. Vermutlich hat es viele Jahre gedauert, bis sich unsere „schlechten“ Gewohnheiten entwickelt haben. Niemand nimmt über Nacht 10, 15, 20 oder mehr Kilo zu. Und genauso wird es auch Zeit brauchen, bis bessere Lebensgewohnheiten sich ihren Weg bahnen und zu unserer neuen Routine und Lebenseinstellung werden können.

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