Psychofutter: Optimismus

Ich bin kein großer Fernsehgucker. Ich schaue selten Fernsehen, zappe selten ziellos durch’s Programm, war nie ein Serienliebhaber und bei den üblichen Smalltalk-Gesprächen über Filme kann ich nie mitreden. Wenn überhaupt, dann schaue ich gerne ausgewählte Reportagen und Dokumentationen. Oder auch Filme mit einer positiven Message, so wie beispielsweise den Film „das Streben nach Glück“ , der mir aufgrund seiner Thematik und seiner schauspielerischen Besetzung besonders gut gefallen hat. In diesem Film geht es um Chris Gardner, der unerwartet von seiner Frau verlassen und von heute auf morgen zu einem alleinerziehenden Vater eines 5-jährigen Sohnes wird. Als er schließlich auch noch seine Wohnung verliert, weil er die Mietrückstände nicht länger begleichen kann, hat er nur noch 21 Dollar auf seinem Konto und steht vor der schier unmöglichen Aufgabe, sich und seinen Sohn über Wasser zu halten. Ein harter Schicksalsschlag, der ihn nicht nur in die Obdachlosigkeit führt, sondern ihn auch massiv unter Druck setzt, so schnell wie möglich einen neuen Job zu finden. Doch in diesen schweren Wochen und Monaten gibt Chris seinen Glauben daran nicht auf, sich und seinem kleinen Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen und so arbeitet er sich ganz allmählich wieder nach oben, zunächst mit einem unbezahlten Praktikum und einem Nebenjob als Haustürverkäufer, bis er am Ende eine feste Anstellung als Investmentbanker bekommt, wodurch er wieder ein gutes und regelmäßiges Einkommen hat und er dem obdachlosen Leben endlich entfliehen kann.

Interessant ist, dass es sich bei der Filmhandlung um eine wahre Begebenheit handelt, denn Chris Gardner gibt es wirklich. Genau wie es im Film dargestellt wird, hat auch der echte Chris den Weg „vom Tellerwäscher zum Millionär“ durchlaufen, indem er sich durch Fleiß, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen bis ganz nach oben kämpfte. Und noch eine Eigenschaft kann man Chris zuschreiben: Er verlor nie die Hoffnung, dass seine harte Arbeit sich irgendwann lohnen und ihm eines Tages bessere Zeiten bescheren würde. Denn in der Tat hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben, wie man mit einer solch ausweglosen Situation hätte umgehen können. Nicht wenige Menschen, die ihren Job verlieren oder obdachlos werden, ertränken ihre Sorgen beispielsweise in Alkohol, doch nicht Chris Gardner. Trotz aller Niederlagen und Schicksalsschläge blieb er optimistisch, indem er sich jeden Morgen auf’s Neue aufraffte, sich anstrengte und sein Bestes gab, weil er am Ende des dunklen Tunnels auf Licht hoffte. Und es geschah. Positives Denken und Optimismus scheinen sich auszuzahlen, denn sie erschaffen eine Vision, die Wirklichkeit werden kann. Doch was ist das Geheimnis optimistischer Menschen? Und warum können nicht alle Menschen Optimisten sein, wenn es für unser Glück doch so förderlich ist?

Die berühmte Wasserglas-Metapher ist wohl das bekannteste Instrument, anhand dessen gerne versucht wird, Menschen mit einer optimistischen von Menschen mit einer pessimistischen Grundhaltung zu unterscheiden. Bekanntermaßen geht es hier darum, zu beurteilen, ob ein halb mit Wasser gefülltes Glas nun halb voll oder halb leer ist, wobei der Optimist das Glas als halb voll betrachtet, während der Pessimist es als halb leer ansieht. Auch wenn diese Herangehensweise vielleicht etwas profan daherkommen mag, so geht die Persönlichkeitspsychologie allerdings tatsächlich davon aus, dass es Menschen gibt, die tendenziell eher optimistisch oder eher pessimistisch eingestellt sind und dass es sich demzufolge bei Optimismus und Pessimismus um zeitlich relativ stabile Charaktereigenschaften handelt, die sich vor allem in unserer Kindheit durch persönliche Erfahrungen herausgebildet haben und die sich auf sämtliche Lebensbereiche einer Person niederschlagen. Das würde bedeuten, dass Menschen, die grundsätzlich optimistischer eingestellt sind, also generell über viele verschiedene Situationen hinweg positiver denken und daran glauben, dass insbesondere auch Konflikte und Probleme sich eher zu ihren Gunsten entwickeln und lösen lassen, während grundsätzlich pessimistischer eingestellte Menschen sich über viele verschiedene Situationen hinweg eher durch ein schwarzseherisches, sorgenvolles und bekümmertes Denken auszeichnen und sich Herausforderungen kaum gewachsen fühlen.

Nichtsdestotrotz, kann davon ausgegangen werden, dass in unserer – an sich sehr stabilen, gleichbleibenden – Persönlichkeit je nach Laune und Tagesform jedoch auch gewisse Schwankungen möglich sind und dass ein überwiegend positiv und optimisitisch gestimmter Mensch zeitweise auch pessimistischer empfinden kann und umgekehrt. Der deutsche Psychologe Jens Asendorpf erklärt dies sehr anschaulich mithilfe einer „Gummiband-Analogie“ (Quelle). Diese besagt, dass unsere Persönlichkeit wie ein Gummiband ist. Genauso wie wir ein Gummiband auseinander ziehen können, genauso verändern sich von Tag zu Tag auch unsere Stimmungen. Je nach Alltagssituation sind wir mal besser und mal schlechter drauf, an dem einen Tag sind wir fröhlicher, gelassener und gehen mehr auf andere Menschen zu und an dem anderen Tag sind wir in uns gekehrter, ruhiger und mögen nicht so gerne viel Gesellschaft um uns herum. Doch derartige Stimmungszustände verändern nicht gleich maßgeblich unsere ganze Persönlichkeit, denn genauso wie ein Gummiband schnippt auch unsere Laune, unsere Stimmung, unsere Persönlichkeit an den meisten Tagen doch immer wieder in seine ursprüngliche Ausgangsposition zurück. Genau dies macht es auch so schwierig, wenn wir uns ein Urteil über einen Menschen bilden, den wir nur selten gesehen und erlebt haben, denn erst über viele verschiedene Begegnungen hinweg können wir wirklich einen verlässlicheren Eindruck davon bekommen, wie dieser Mensch ist.

Unsere Persönlichkeitseigenschaften und Charakterzüge, aber auch unsere aktuelle Lebenssituation haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir unsere Welt wahrnehmen. Beispielsweise kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, als ich schwanger war und ich in meinem Alltag plötzlich übermäßig viele Schwangere bemerkte, die mir vorher als Kinderlose nie aufgefallen waren. Als ich schließlich Mutter wurde und mich zum ersten Mal mit Themen wie Stillen, Wickeln und Tragen beschäftigte, passierte mir dasselbe, denn auf einmal fielen mir in meinem näheren Umfeld plötzlich zahlreiche andere Mamis mit ihren Babys ins Auge, die sich alle in einer ganz ähnlichen Situation wie der meinen befanden. Das ist keinesfalls ungewöhnlich, denn durch unsere persönlichen Erfahrungen und Lebensumstände machen wir es uns zur Gewohnheit, unser Augenmerk, unseren Fokus auf ganz bestimmte Dinge in unserer Umgebung zu richten und dagegen alles andere, das nicht zu der Art gehört, wie wir denken, uns verhalten und unser Leben führen, zu übersehen. Unsere Wahrnehmung wirkt hier also wie eine Art Filter, der sämtliche Reize, die für uns nicht relevant sind, herausfiltert und dagegen sämtliche Reize, die für uns wichtig sein könnten, sichtbar macht. Für mich als Schwangere oder Mutter war es nämlich äußerst hilfreich (oder, evolutionär gesprochen, sogar überlebenswichtig), mit anderen Schwangeren oder Müttern in Kontakt zu kommen und mir von ihnen abzuschauen, wie man vernünftig mit einem Säugling umgeht und, nicht zuletzt, natürlich auch Teil dieser sozialen Gruppe zu werden und mich somit Gleichgesinnten anzuschließen.

„Es ist absolut möglich, dass jenseits der Wahrnehmung unserer Sinne ungeahnte Welten verborgen sind.“ (Albert Einstein)

„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: Unendlich.“ (William Blake)

In der Psychologie bezeichnet man diesen Vorgang übrigens als selektive Aufmerksamkeit (selektieren = auswählen), das bedeutet, unser Gehirn arbeitet so hochfunktional, dass es für uns auswählt, was wir wahrnehmen und was nicht. Ein klassisches Phänomen in diesem Zusammenhang – und zugleich eines der ersten psychologischen Phänomene, die ich ganz zu Beginn meines Psychologiestudiums überhaupt kennenlernen durfte – ist das sogenannte „Cocktailparty-Phänomen“ , das sich ganz speziell auf unsere Fähigkeit bezieht, selektiv hören zu können. Stellt euch einmal vor, ihr seid auf einer Cocktailparty. Es ist laut, Musik dröhnt in voller Lautstärke aus allen erdenklichen Richtungen, unzählige Menschen stehen um euch herum und alle reden wie wild durcheinander, dabei wird getanzt, ausgelassen gelacht und gefeiert, während ihr euch mit eurer Begleitung unterhaltet. Und diese auch noch versteht! Hier zeigt sich, dass das menschliche Gehör in der Lage ist, unwichtige Schallgeräusche einfach zu unterdrücken und nur die Geräusche für euch verständlich zu machen, die für euch gerade wichtig sind. Ist das nicht beeindruckend? Wäre unser Gehirn dazu nicht in der Lage, dann würden uns bereits nach kürzester Zeit die Ohren schmerzen und wir würden Kopfweh bekommen, weil die schier unendliche Anzahl an auf uns hereinprasselnden Sinnesreizen uns ganz einfach überfordern würde.

Doch warum erzähle ich euch das alles? Warum all dies Vorgeplänkel, wo es in diesem Beitrag doch eigentlich um das Thema Optimismus geht? Nun, ganz einfach, weil es sich in Bezug auf unsere innere Einstellung ganz ähnlich verhält. Wir nehmen die Welt so wahr, wie wir innerlich eingestellt sind, das bedeutet, dass also auch unsere Einstellung wie eine Art Filter funktioniert und dafür sorgt, dass wir ganz selektiv wahrnehmen. Ein Mensch, der beispielsweise in seiner Kindheit die wiederholte Erfahrung von zuverlässigen, berechenbaren und warmherzigen Bezugspersonen machen durfte, wird auch als Erwachsener erst einmal mit der Erwartung an seine Mitmenschen herantreten, dass auch diese es gut mit ihm meinen. Dagegen wird ein Mensch, der in seiner Kindheit seine Bezugspersonen wiederholt als unzuverlässig, unberechenbar oder bedrohlich erlebt hat, auch als Erwachsener erstmal eher Misstrauen gegenüber anderen fremden Menschen hegen. Unsere Erfahrungen prägen uns also dahingehend, wie wir auf die Welt zugehen.

Und noch mehr, denn unsere Erwartungen, die wir im Hinblick auf unser Umfeld, unsere Mitmenschen unbewusst entwickelt haben, bestimmen ebenfalls, was wir an anderen wahrnehmen und was nicht. So wird ein grundsätzlich eher positiv und zuversichtlich gestimmter Mensch auch eher die guten Seiten an anderen Menschen bemerken, während ein grundsätzlich eher negativ und misstrauisch gestimmter Mensch vor allem die schlechten Seiten an anderen sehen wird. Und so kommt es, dass wir uns mit dem, was wir an anderen wahrnehmen, immer wieder in dem selbst bestätigen, was wir sowieso schon glauben, ganz im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Unsere persönlichen Erfahrungen haben uns in unserer Wahrnehmung also derart geprägt, dass wir dazu neigen, weniger offen und zugänglich für neue Erfahrungen zu sein, die nicht mit unseren alten Erfahrungen und Überzeugungen übereinstimmen. Wir selektieren die Welt. Weil es uns zu viel wertvolle Zeit und Energie kosten würde, alles genauer zu analysieren und wir alles, was uns begegnet, möglichst schnell und ohne viel Aufwand einordnen wollen. Und dafür zahlen wir mitunter einen hohen Preis, denn durch unsere selektive Wahrnehmung sind gleich zwei Dinge zu beklagen: Einerseits, nehmen wir unserem Gegenüber damit die Chance, dass wir ihn in all seinen Facetten und Einzigartigkeiten wahrnehmen, stattdessen stecken wir unser Gegenüber in eine grobe Schublade, und, andererseits, nehmen wir uns damit selbst die Möglichkeit, neue Gedanken zu denken, stattdesssen verharren wir in unseren alten Denkmustern.

„Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht. Du wirst auf jeden Fall Recht behalten. “ (Henry Ford)

Unsere Neigung zu tendenziell eher positivem oder eher negativem Denken haben wir also im Verlauf unseres Lebens – vor allem während unserer Kindheit – zu einem beträchtlichen Teil erlernt, was wiederum bedeutet, dass niemand als Optimist oder Pessimist geboren wird. Und genau das ist die gute Nachricht: Wir können unser Denken auch verändern und sind unserer – leider oft vorherrschenden – destruktiven, selbstvernichtenden Gedankenwelt somit nicht hilflos ausgeliefert. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass dies nicht von selbst passiert, sondern dass wir ein bisschen (mentale) Arbeit investieren müssen, denn Optimismus kann man lernen. Oder verhaltenstherapeutisch ausgedrückt: Pessimismus kann man auch wieder verlernen. Aber wie?

„Welche Geschichte erzähle ich mir selbst über mich und über meine Erfolge und Misserfolge?“

Ob wir eher Optimisten oder eher Pessimisten sind, hängt nicht unbedingt davon ab, wieviele Misserfolge, Niederlagen oder Schicksalsschläge wir erlebt haben oder wie heftig diese ausgefallen sind (z.B. Jobverlust, das Ende einer Liebesbeziehung oder auch ernsthafte Erkrankungen), sondern ausschlaggebend ist, wie wir uns Schicksalsschläge erklären und welche Geschichte wir uns darüber erzählen. Den eigenen Job zu verlieren oder von seinem Partner verlassen zu werden, das sind zweifelsohne gravierende, schmerzhafte Einschnitte im Leben eines Menschen, die definitiv das Potential besitzen, uns nachhaltig herunterzuziehen und uns zu deprimieren, doch nicht jeder zerbricht daran. Besonders diejenigen, die einen solchen Verlust nicht (nur) ihrem eigenen Versagen zuschreiben, sondern auch anderen (externen) Ursachen (z.B. weil der Chef schwierig war, weil die Arbeit keinen Spaß gemacht hat oder weil der Partner auch kein einfacher Mensch war), haben gute Chancen, diese Krise gut zu überstehen.

Dasselbe gilt übrigens nicht nur für unsere Misserfolge, sondern auch für unsere Erfolge. Wer glaubt, dass er einen Job nur deshalb bekommen hat, weil er Glück hatte, weil er gut aussieht oder weil er die Frauenquote halten musste (also aufgrund günstiger äußerer Umstände, auf die man selbst kaum Einfluss hat), der wird nicht besonders stolz darüber sein, den Job ergattert zu haben. Dagegen wird jemand, der davon überzeugt ist, dass er die Stelle bekommen hat, weil er fachlich am besten dafür geeignet war oder weil er besonders intelligent und redegewandt ist (also aufgrund des eigenen Könnens, der eigenen Fähigkeiten), sich entsprechend selbstbewusst fühlen.

Unsere eigenen (konstruktiven oder destruktiven) Gedanken über unsere Erfolge und Misserfolge können uns also entweder darin bestärken und bestätigen, dass wir fähig und talentiert sind oder dass wir unfähig und untalentiert sind. Je nachdem, ob wir gut oder schlecht über uns und unsere Fähigkeiten denken, kann dies entweder positive und vielversprechende oder aber auch negative und mitunter sogar verheerende und vernichtende Folgen für den Verlauf unseres weiteren Lebens haben, denn all dies steht in einem sehr engen Zusammenhang damit, was wir von unserem zukünftigen Leben noch erwarten und hat somit maßgebenden Einfluss auf unsere eigenen Selbstwirksamkeitserwartungen

„Der Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.“ (Theodor Fontane)

Die Menschen unternehmen allerhand Anstrengungen, um gesund zu bleiben, doch Gesundheit kann sich auf viele verschiedene Bereiche beziehen. Um zum Beispiel körperlich gesund zu bleiben, können wir regelmäßig Sport treiben, wir können uns ausgewogen und gesund ernähren, wir können für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder für ausreichend Schlaf sorgen. Doch was können wir tun, um mental gesund zu bleiben? Welche Möglichkeiten haben wir, damit unser Denken, unsere innere Einstellung gesund, konstruktiv und heilsam bleiben? Wie können wir verhindern, dass unsere Gedanken über uns selbst und über unser Leben keine selbstzerstörerische Kraft entfalten?

Die Antwortet lautet: Wir müssen lernen, unser Denken und die damit verknüpften emotionalen Reaktionen gewissermaßen zu kontrollieren. Immer dann, wenn wir in unserem Leben Rückschläge erleben, steigen in uns Gedanken dazu auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei diesen Rückschlägen um kleinere Widrigkeiten handelt (z.B. verpassen wir auf dem Weg zur Arbeit den Bus oder wir werden auf dem Fußweg von einem Passanten angerempelt) oder ob es sich um größere, gravierendere Misserfolge und Niederlagen handelt (z.B. Jobverlust). Schon bei kleineren Ärgernissen werden sich in den dabei aufkommenden Gedankenschleifen von Optimisten und Pessimisten einige gravierende Unterschiede feststellen lassen, die auch Einfluss auf unsere Emotionen nehmen:

1) Spielt es eine wesentliche Rolle, ob wir Widrigkeiten, die uns widerfahren, als zufällige, einmalig auftretende Ereignisse betrachten oder ob wir sie persönlich nehmen. Werden wir beispielsweise auf offener Straße von einem Fremden angerempelt, so können wir entweder denken „Oh, der Arme hat heute wohl einen schlechten Tag.“ oder wir können denken „Das hat der Idiot bestimmt mit Absicht gemacht. Der wollte mich ärgern.“. An diesem Beispiel wird – wie bereits weiter oben beschrieben – erneut deutlich, dass Optimisten die Ursache für eine Widrigkeit nicht (vordergründig) bei sich selbst suchen, sondern bei anderen, bei äußeren Faktoren, während Pessimisten den Grund eher bei sich selbst, also in ihrer eigenen Person suchen.

2) Ist es nicht unerheblich, ob wir der Meinung sind, dass eine Widrigkeit, die wir in einem bestimmten Lebensbereich erleben, rein gar nichts mit anderen unserer Lebensbereiche zu tun hat oder ob wir eine einzelne Widrigkeit als Hinweis dafür nehmen, dass wir auch in sämtlichen anderen unserer Lebensbereiche erfolglos bleiben. Wenn wir beispielsweise unseren Job verlieren, dann führt dies zweifelsohne dazu, dass wir unter dieser Situation massiv leiden, denn wir bekommen – direkt oder indirekt – die Rückmeldung, dass wir den Job unzureichend erfüllt haben, wodurch wir uns möglicherweise unfähig und minderwertig fühlen und gleichzeitig verlieren wir auch noch unsere finanzielle Existenzgrundlage. Nichtsdestotrotz, können Menschen in einer solch dramatischen Situation ganz unterschiedlich reagieren. Optimisten nämlich vermögen trotz ihres Frustes über ihre misslungene Jobsituation dennoch Freude im Rest ihres Leben zu empfinden, indem sie sich zum Beispiel weiterhin als wertvollen, geliebten Menschen und Partner fühlen, indem sie trotz Jobverlust weiterhin das Gefühl haben, eine gute Mutter oder ein guter Vater für die eigenen Kinder zu sein oder indem sie weiterhin soziale Kontakte pflegen und der Meinung sind, dass sie es Wert sind, dass andere mit ihnen befreundet sein möchten. Pessimisten dagegen neigen dazu, ihre Trauer über ihren Jobverlust ganzheitlich auf ihr Leben zu übertragen, indem sie sich als ganze Person wertlos fühlen und sie zu der Überzeugung gelangen, dass auch alle anderen Menschen in ihrem Umfeld (z.B. der eigene Partner, die eigenen Kinder, Freunde) nichts von ihnen halten, was sich unter anderem auch darin äußern kann, dass sie anfangen, sich optisch gehen zu lassen, sich kaum noch zu etwas motivieren zu können und sie getreu der Einstellung leben, dass alle Mühe sowieso nichts nützt.

3) Macht es einen großen Unterschied, ob wir glauben, dass Widrigkeiten, die uns widerfahren, nur einen kurzen, temporären und somit zeitlich begrenzten Einfluss auf unser Leben haben oder ob sie unser Leben permanent und damit für immer negativ beeinflussen werden. Wenn wir beispielsweise eine wichtige Verabredung mit einer Freundin vergessen haben, dann können wir entweder unsere Freundin um Entschuldigung bitten und anschließend davon ausgehen, dass unsere Freundin uns bedingungslos verziehen hat und wir uns ihr gegenüber nicht mehr weiter schuldig fühlen müssen, oder wir können uns bei ihr entschuldigen und dennoch weiterhin heimgesucht werden von inneren Schuldgefühlen und die heimliche Sorge in uns tragen, dass unsere Freundin uns deshalb vielleicht in Zukunft nicht mehr mögen und uns nachhaltig für unzuverlässig halten könnte. In beiden Fällen haben wir uns bei unserer Freundin entschuldigt und dennoch führen beide Fälle zu ganz unterschiedlichen Gedanken und Emotionen, die uns im positiven Falle entweder von Schuld befreien können oder uns im negativen Falle weiterhin belasten werden.

 (vgl. 3P-Modell der Resilienz nach Martin Seligman)

Diese 3 genannten Schritte zeigen auf, dass wir positives, optimistisches, zuversichtliches Denken erlernen können, so wie eine Strategie. Der Alltag bietet uns haufenweise (mehr oder weniger gravierende) Ereignisse, die uns verzweifeln lassen und die uns genau deshalb geradezu dazu einladen, Optimismus einzuüben. Am Anfang wird sich das vielleicht noch seltsam, ungewohnt, aufgesetzt und künstlich anfühlen, denn viel zu schnell schießen uns die üblichen negativen Gedankenschleifen in den Kopf, die wir ja Jahre zuvor ebenso eingeübt haben, wenn auch unbewusst, und die uns deshalb jeden Tag hartnäckig begleiten. Nun aber haben wir die Möglichkeit, ein anderes, optimistischeres Denken an diese Stelle zu setzen. Und zwar ganz bewusst. Je öfter wir uns darin üben, wohlwollend, liebevoll, freundschaftlich und gnädig über uns selbst und unsere Lebensumstände zu denken, desto mehr wird dieses positive, optimistische Denken zu unserer neuen Gewohnheit werden, die irgendwann ganz automatisch vonstatten geht. Doch bis es soweit ist, bedarf es Übung.

Es geht bei einer optimistischen Lebenseinstellung nicht darum, alles schön zu reden, alles durch eine rosarote Brille zu betrachten und so zu tun, als gäbe es keine Misserfolge und sich somit gewissermaßen selbst zu betrügen. Nein, vielmehr ist mit einer optimistischen Lebenseinstellung gemeint, dass wir unsere Denkart grundlegend verändern, weg von einer destruktiven, selbstzerstörerischen, lähmenden Mentalität hin zu einer zuversichtlichen und lebensbejahenden inneren Haltung, die besonderes Augenmerk auf alles Gelingende legt und die aus Fehlern und Niederlagen lernen will und die uns somit in die Lage versetzt, negative Gedanken und Gefühle, die mit belastenden Ereignissen verknüpft sind, zu reduzieren.

„Zu viel nachdenken ist wie schaukeln. Man ist zwar beschäftigt, aber man kommt kein Stück weiter.“ (Verfasser unbekannt)

Interessant ist außerdem, dass das Streben nach Glück(seligkeit) sogar als ein menschliches Grundrecht in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 04. Juli 1776 verankert ist. Dagegen findet sich ein vergleichbares Grundrecht weder in der deutschen noch in irgendeiner anderen europäischen Verfassung (Quelle). Nun könnte man dies spöttelnd abtun als eine „typisch amerikanische Floskel“, die vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem jeder alles werden kann, auch so zu erwarten gewesen wäre, doch wir können nicht verleugnen, dass die Sprache, die wir wählen, – und ein Grundrecht mit dem Namen „Glück“ zu schaffen, ist zweifelsohne eine schöne Sprache – einen nicht unerheblichen Einfluss auf unser Denken und unsere innere Einstellung hat. Worte (und natürlich auch Gedanken) können uns motivieren oder sie können uns demotivieren. Und genau das zeigt sich auch bei Optimisten und Pessimisten. So werden sicherlich die meisten zustimmen, dass es beispielsweise einen großen Unterschied macht, ob man nach einem missglückten Bewerbungsgespräch pessimistisch und deprimiert sagt „War ja wieder klar. Die anderen Bewerber sind besser als ich, da hab ich nie eine Chance.“ oder ob man optimistisch und zuversichtlich sagt „Es hat diesmal noch nicht geklappt, doch beim nächsten Mal kommt wieder eine neue Chance für mich.“. Welche von den beiden Denkweisen sich hier eindeutig motivierender auf zukünftige Bewerbungsbemühungen auswirken wird, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. In diesem Sinne: Seid realistisch! Erwartet Wunder!

„Wie groß die Macht der Worte ist, wird selten recht bedacht.“ (Friedrich Hebbel)

„Worte und Zauber waren ursprünglich ein und dasselbe. Auch heute besitzt das Wort eine starke, magische Kraft.“ (Sigmund Freud)

„Wir brauchen keine Magie, um die Welt zu verändern. Wir tragen die notwendige Kraft [bereits] in uns. Und zwar die Macht, uns eine bessere Welt vorzustellen.“ (J. K. Rowling)

Leave a Reply