Psychofutter: Überraschung

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Genauso wie ich früher als Kind, so liebt heute auch unser Vierjähriger Überraschungseier. Deshalb bringe ich ihm vom Lebensmitteleinkauf meistens auch eins mit, worüber er sich jedesmal riesig freut und er hastig und ungeduldig dem Moment entgegen fiebert, herauszufinden, was wohl darin verborgen sein mag. Ein Überraschungsei zu öffnen, gleicht ja geradezu einem immer wieder auf die gleiche Weise ablaufenden Ritual voller Nervenkitzel: Das von Knistern und Rascheln begleitete Ablösen der weiß-roten Folie, das dumpfe Geräusch der aufbrechenden braun-weißen Schokoladenhülle und schließlich das aufploppende Geräusch des typisch gelben Plastik-Eis, das nun endlich die mit großer Neugier und Spannung erwartete Überraschung preisgibt. Mal davon abgesehen, dass die Figuren von früher um ein Vielfaches schöner und sammelwürdiger waren, so hat das Ü-Ei, das es übrigens bereits seit 1974 zu kaufen gibt, seinen Reiz bis heute nicht verloren. Kein Wunder, haben sich die Hersteller schließlich etwas dabei gedacht, wenn sich alle paar Wochen der Inhalt verändert, je nachdem, welche kleinen Kinderhelden gerade so angesagt sind. Egal, ob Minions, Pets, Trolls, PJ Masks, Star Wars oder Masha und der Bär, denn da ist garantiert für jeden etwas dabei. Als sich vor zwei Jahren sogar die Turtles in den Eiern versteckten, da habe sogar ich als Erwachsene mitgesammelt. 

Doch neben solchen angenehmen Überraschungen gibt es in unserem Alltag auch eine ganze Reihe unerwünschter Überraschungen. Wir alle kennen das: Unangemeldeter Besuch, auf den man nicht vorbereitet ist und der unsere Wohnung wie ein Schlachtfeld vorfindet, sodass es uns Schamesröte ins Gesicht treibt, ein plötzlich auftretender Stau auf der Autobahn, den wir nicht einkalkuliert haben, während wir gerade auf dem Weg zu einem wichtigen geschäftlichen Meeting sind oder der Aufzug, der ganz plötzlich und unerwartet auf halber Strecke stecken bleibt, sodass wir in panische Schnappatmung verfallen, weil wir die Enge im Aufzug nur schwer ertragen können und wir befürchten, drei Stunden warten zu müssen, bis der Notdienst eintrifft. Doch all dies sind in Wirklichkeit nur einige wenige Überraschungsmomente, auf die wir uns im Alltag nicht einstellen können, denn tatsächlich versteht der moderne Mensch es inzwischen sehr gut, seinen Alltag weitgehend überraschungsarm zu gestalten. Wetter-Apps oder auch der Wetterbericht im Fernsehen klären uns frühzeitig darüber auf, an welchem Tag wir wohl besser keine Fahrradtour unternehmen, um nicht in ein Unwetter zu geraten, Internet-Bewertungsportale verraten uns, in welchem Restaurant man das leckerste Essen in gemütlichstem Ambiente bekommt und welchen Gaststättenbesuch man aufgrund mangelnder Hygiene oder eines schlechten Services besser vermeidet, ja sogar ein Mondkalender möchte uns wertvolle Auskunft darüber geben, wann für uns der beste Zeitpunkt ist, um Geld anzulegen, die Gartenarbeit zu erledigen oder uns die Haare schneiden zu lassen. Es scheint, als täten wir alles dafür, um in unserem Alltag nicht unangenehm überrascht zu werden und sämtliche unserer Lebensumstände zu kontrollieren, um die komplexe Welt, in der wir leben, ein Stück planbarer und vorhersehbarer zu machen. Doch warum bereitet es uns solche Schwierigkeiten, wenn wir nicht wissen, wie sich die Dinge in unserem Leben entwickeln werden?

In der Psychologie weiß man inzwischen, dass der Mensch – neben physiologischen (körperlichen) Grundbedürfnissen wie Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität – auch psychologische Grundbedürfnisse hat und eines davon ist die Kontrolle (Grawe, 2004). Wir streben danach, unser Leben selbstbestimmt zu gestalten, indem wir eigene Entscheidungen treffen, wir möchten Geschehnisse in unserem Leben sinnvoll erklären können, wir brauchen das Gefühl, Einfluss auf unsere Lebensumstände nehmen zu können, sie mitzubestimmen und sie somit auch gewissermaßen kontrollieren und vorhersagen zu können. Andersherum formuliert: Die Kontrolle zu verlieren bereitet uns mitunter großen Stress und wenn wir dies dauerhaft erleben, dann können wir davon ernsthaft krank werden. Von welch unangenehmen Gefühlen und Empfindungen ein Kontrollverlust begleitet wird, wird spätestens dann deutlich, wenn wir in eine Prüfungssituation kommen. Wir spüren Angst, vielleicht sogar Panik, fühlen uns unbehaglich, wir bekommen schweißnasse Hände und zittrig-weiche Knie, wir werden vielleicht bleich im Gesicht und in unserem Kopf kreisen Katastrophengedanken, wir werden unsicher, sind voller Selbstzweifel und fühlen uns ohnmächtig und hilflos. Weil wir nicht wissen, welche Fragen an uns gestellt werden und ob es genau die sind, für die wir gelernt haben. Weil wir befürchten, dass unsere Klassenkameraden oder Kollegen uns auslachen könnten, wenn wir versagen. Doch Kontrollverlust kann noch weitaus gravierendere Folgen haben, wie man an helfenden Berufsgruppen sehen kann, die immer wiederkehrend einem hohen Maß an Kontrollverlust ausgesetzt sind. Kriminalbeamte, die sich beispielsweise während einer Geiselnahme dem Willen des Geiselnehmers beugen müssen, Feuerwehrleute, die einen Brand nicht eindämmen können oder Ärzte, die trotz aller Bemühungen das Leben eines Patienten nicht retten können (Quelle). Es ist kein Zufall, dass es vor allem genau diese Berufsgruppen sind, die häufig unter ernsthaften psychischen und/oder somatischen Störungen leiden. Ganz Ähnliches zeigt sich übrigens auch in Tierstudien. So konnte das Forscherteam um Myers (2010) nämlich beispielsweise nachweisen, dass Ratten, die im Verlauf eines Experiments gelernt hatten, das Erhalten von Stromschlägen zu beeinflussen, signifikant gesünder waren (ihr Immunsystem war stärker und sie erkrankten seltener an Krebs) als Ratten, die keine Möglichkeit hatten, ihre Stromschläge zu beeinflussen. Das Interessante an dieser Studie war, dass beide Ratten-Gruppen tatsächlich exakt gleich viele Stromschläge bekamen und somit der objektive Stress für alle Ratten identisch war, doch es war ganz offensichtlich der subjektiv empfundene Stress, hinsichtlich dessen sich beide Ratten-Gruppen unterschieden. Die Ratten, die gelernt hatten, dass sie verlässlich Einfluss auf die Stromschläge nehmen konnten, blieben handlungsfähig und hatten gewissermaßen die Macht, ihre Umstände zu kontrollieren, während die Ratten, die keinen Einfluss auf die Stromschläge nehmen konnten, keine Kontrolle, keinen Handlungsspielraum hatten und somit ihrem Schicksal ohnmächtig ausgeliefert waren. Unvorhergesehene Überraschungen sind also vor allem deshalb so bedrohlich für uns, weil uns dadurch (wenn auch meist nur kurzzeitig) die Kontrolle über unsere Lebensumstände abhanden kommt und somit ein wesentliches psychologisches Grundbedürfnis verletzt wird. Doch was genau geschieht in unseren Köpfen, wenn wir überrascht werden?

Hier ein klassisches Beispiel, von dem wahrscheinlich jeder Psychologiestudent mindestens einmal in seinem Studium etwas gehört hat: Stellt euch vor, ihr spaziert entspannt durch euren Garten, vielleicht mit einer Tasse Kaffee in der Hand, ihr genießt das lauwarme Frühlingswetter und lauscht dem trällernden Vogelgezwitscher, als ihr plötzlich aus eurem entspannten Zustand heraus gerissen werdet, denn direkt vor euren Füßen liegt … eine Schlange! Ihr erschreckt, ihr verschüttet euren Kaffee und schnell flüchtet ihr panisch zurück in eure Wohnung, denn damit habt ihr nicht gerechnet. Doch stopp! Ihr seid irritiert, sind Schlangen in unseren mitteleuropäischen Breiten schließlich eher unwahrscheinlich. Also nehmt ihr all euren Mut zusammen und lauft noch einmal an die Stelle im Garten zurück, an der ihr die vermeintliche Schlange gesehen habt, um schließlich festzustellen, dass es sich bei diesem Schreckensobjekt um nichts Geringeres handelte als um euren eigenen Gartenschlauch, den ihr am Abend zuvor aus Zeitgründen einfach nicht mehr geschafft habt, aufzuräumen. Puh, das ist nochmal gut gegangen. Aber was war hier gerade passiert?

Damit wir uns in unserer komplexen Welt schnell und unkompliziert zurechtfinden können, ordnet unser Gehirn alles, was wir kennen und erleben, in sogenannte Schemata an. So wissen wir zum Beispiel, dass ein Hund vier Beine hat, auf allen Vieren läuft, bellt und gerne an Knochen herumkaut (Hund-Schema) oder dass ein Vogel eher klein ist, Flügel hat und daher fliegen kann, dass er Nester baut und Eier legt und gerne auf Ästen herumsitzt und lieblich zwitschert (Vogel-Schema). Auch ein Schlangen-Schema hat unser Gehirn für uns „angelegt“, das unter anderem beinhaltet, dass Schlangen einen langen, dünnen Körper ohne Beine haben, dass sie sich auf dem Boden entlang schlängeln, um sich fortzubewegen, dass es giftige, ungiftige und würgende Arten gibt und dass sie – abgesehen von einigen wenigen Nattern-Arten und außer im Zoo oder in Terrarien von Reptilienliebhabern – in unserer mitteleuropäischen Lebensumgebung kaum vorzufinden sind. In dem Moment, in dem wir in unserem Garten jedoch auf eine (vermeintliche) Schlange treffen, wird dieses Schlangen-Schema somit erheblich gestört und erschüttert. In der Psychologie nennt man diesen Vorgang deshalb auch „Schema-Diskrepanz“ . Die Folge: Wir sind überrascht, irritiert, wir erschrecken und wir müssen schnell handeln und – in dem Fall – fliehen. Dieser Prozess vollzieht sich binnen weniger Sekunden und entzieht sich weitgehend unserer bewussten Kontrolle. Das hat die Evolution gut hingekriegt, denn somit befähigt sie uns dazu, die (vermeintlich) brenzlige und lebensbedrohliche Situation so schnell wie möglich zu verlassen, damit wir nicht zu Schaden kommen. Haben wir uns in Sicherheit gebracht, dann erst fangen wir an, nachzudenken und zu reflektieren. Diese Zeit haben wir nicht, wenn wir im direkten Antlitz einer potentiell gefährlichen Schlange stehen. Dieser Überraschungsmoment hilft uns also dabei, uns im Leben zurechtzufinden und sehr schnell zu bemerken, wenn etwas plötzlich unstimmig und anders ist, als wir es gewohnt sind. Überrascht zu sein, kann uns also, überspitzt gesagt, das Leben retten.

Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass die Überraschung – neben Freude, Ekel, Furcht, Wut, Verachtung und Traurigkeit – zu den sieben grundlegenden menschlichen Basisemotionen gehört. Das bedeutet, dass alle Menschen auf der ganzen Welt, völlig unabhängig davon, woher sie kommen oder unter welchen Bedingungen sie aufwachsen und leben, in der Lage sind, diese sieben genannten Gefühle selbst zu empfinden und somit nach außen hin auszudrücken oder sie bei anderen Menschen sofort zu erkennen. Es war Paul Ekman, ein US-amerikanischer Psychologe, der bereits im Jahre 1966 nach Papua-Neuguinea reiste, um die dort lebenden Urwaldbewohner zu erforschen, die noch in äußerst steinzeitlichen Verhältnissen lebten und nichts von unserer moderneren westlichen Welt wussten. Er legte ihnen Fotos vor, die eine Vielzahl von emotionalen Gesichtsausdrücken zeigten und fand heraus, dass die Menschen dort trotz ihres abgeschiedenen und rückständigen Lebens eben genau diese sieben genannten Emotionen – genauso wie die fortschrittlicheren Menschen aus westlichen Kulturen – einwandfrei zu entschlüsseln wussten und schloss daraus, dass diese daher genetisch bedingt und somit angeboren sein und nicht erst durch soziales Nachahmen erlernt werden müssen. Dies wiederum muss bedeuten, dass es sich bei diesen sieben Grundgefühlen um welche handeln muss, die im Laufe unserer Menschheitsgeschichte so wesentlich waren, dass wir ohne sie vermutlich nicht überlebt hätten. Und die Überraschung ist eine davon, wie das oben beschriebene Schlangen-Beispiel eindrucksvoll darlegt.

Paul Ekman hat ebenfalls genau beschrieben, wie die sieben genannten Kernemotionen sich in unseren Gesichtern niederschlagen und auch, warum das aus evolutionsbiologischer Sicht so ist. Sind wir beispielsweise überrascht, so zeigen alle Menschen (mehr oder weniger, denn natürlich gibt es individuelle Unterschiede) weit aufgerissene Augen mit nach oben gezogenen Augenbrauen und Augenlidern sowie einen (mehr oder weniger) weit aufgerissenen Mund. Wozu ist das gut? Ganz einfach, aufgerissene Augen erleichtern es uns, möglichst gut und viel sehen zu können und ein geöffneter Mund verbessert die Atmung, indem sich unsere Sauerstoffzufuhr erhöht; beides konnte auf der Flucht vor einem Säbelzahntiger über unser Überleben entscheiden. Und da – wie bereits oben beschrieben – ja alle Menschen einen solchen überraschten Gesichtsausdruck zweifelsfrei und auf Anhieb erkennen können, war dies in früheren Zeiten auch gleichzeitig für die umliegende Verwandtschaft ein sofortiger Hinweis auf eine potenzielle Gefahr, woraufhin auch sie sich schnellstmöglich in Sicherheit bringen und somit überleben konnten. Folglich haben die sieben Grundemotionen also gleich zwei wesentliche Funktionen: Zum Einen bereiten sie unseren Körper für’s Überleben vor (Flucht oder auch Angriff/Kampf) und zum Anderen dienen sie unserer zwischenmenschlichen Kommunikation.

Wie eingangs erwähnt, kennen wir angenehme und unangenehme Überraschungen und selbstverständlich sind uns Erstere grundsätzlich lieber. Dennoch sind es vor allem die unliebsamen Überraschungen, die unser Leben und unsere Persönlichkeit in erheblichem Maße zu bereichern vermögen. Geraten wir überraschend in eine ungeplante Situation, die wir nicht kommen sahen und für die wir im ersten Augenblick kein Handlungsschema parat haben, sodass wir sprichwörtlich aufgeschmissen sind, dann sind wir herausgefordert, kreativ zu werden und Neues auszuprobieren und das wiederum führt dazu, dass wir uns weiterentwickeln können. Oder andersherum formuliert: Wenn wir uns permanent in einer Umgebung befinden, die keine (vor allem unangenehme) Überraschungen mehr für uns bereithält, dann drohen Langeweile, Trägheit und Unterforderung und das kann auf Dauer mindestens genauso belastend sein wie eine übermäßige Arbeitslast. Denken wir nur einmal daran, wie unzufriedenstellend und unerfüllend es für uns sein kann, jeden Tag der gleichen monotonen Arbeit nachzugehen, bei der nie etwas Neues, Aufregendes, Unvorhergesehenes passiert. Wenn man sich dauerhaft intellektuell unterfordert fühlt und einem die eigene Arbeit sinnlos erscheint, wenn man seine Fähigkeiten kaum noch einsetzen kann und sie in der Folge zu verkümmern drohen, dann gleicht dies einer (geistigen) Amputation (Ellinger, 1975).

„Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, dann versuch’s mal mit Routine. Die ist tödlich.“ (Paulo Coelho)

Mit überraschenden Ereignissen fertig zu werden und kreative Lösungen und Ideen zu entwickeln, das alles sind Relikte aus früheren Zeiten, das heißt, das mussten wir Menschen schon immer leisten, andernfalls hätten wir nicht überlebt. Da wir keine scharfen Reißzähne oder keine spitzen Krallen haben wie ein Tiger, weil wir nicht so schnell rennen können wie ein Gepard, weil wir nicht so klein und winzig sind, dass wir uns in jedem Erdloch verstecken können und weil wir vor Gefahren auch nicht einfach so davon fliegen können wie ein Vogel, mussten wir Menschen uns im Verlauf der Evolutionsgeschichte deshalb etwas anderes einfallen lassen, um zu überleben, und das war unsere menschliche Fähigkeit, zu denken und Schwierigkeiten auf sehr kreative, einfallsreiche, clevere Weise zu lösen. In diesem Zusammenhang weist der Verhaltensbiologe Simon Reader darauf hin, dass der Mensch vermutlich gar keine andere Wahl hatte, als kreativ zu werden, weil er gegenüber seinen eigenen Fressfeinden derart körperlich unterlegen war, dass er erfinderisch werden musste, um nicht auszusterben (Spiegel).

Es ist also für unser Dazulernen durchaus förderlich, sich von Zeit zu Zeit auch ganz bewusst neuen Situationen auszusetzen, die einem zugegebenermaßen zunächst Angst machen können, da wir ihren Ausgang nicht kennen, die uns jedoch in unserer persönlichen Entwicklung weiterbringen können. Dies könnte zum Beispiel bedeuten, heute mal einen anderen Arbeitsweg zu nehmen als den gewohnten und sich somit in unbekanntes Gebiet vorzuwagen und zu schauen, wer oder was einem dabei begegnet. Es könnte bedeuten, in seiner Arbeit auch mal Tätigkeiten zu übernehmen, die sonst nicht in den eigenen Aufgabenbereich fallen oder sich freiwillig dazu bereit zu erklären, einen Vortrag über ein Thema zu halten, in dem man nur unzureichend bewandert ist. Es könnte auch bedeuten, sich ein ganz neues Hobby zu suchen, das einem bisher nicht ferner hätte liegen können und sich ernsthaft darum zu bemühen, gut darin zu werden und in dem Zuge auch gleich neue Menschen kennenzulernen. Kurz gesagt: Die eigene Komfortzone zu verlassen und Überraschungen in Kauf zu nehmen. Lasst euch darauf ein, nicht alle Umstände vorweg nehmen, planen und kontrollieren zu können und lernt, diesen Zustand auszuhalten. Ganz egal, wie sehr ihr euch darum bemühen mögt, unbekannte und angstmachende Erfahrungen zu vermeiden, macht euch bewusst, dass unerwartete Wendungen und vor allem auch Enttäuschungen und Misserfolge Teil einer natürlichen Lebensumgebung sind. Es scheint vielmehr das Problem unserer westlichen Gesellschaft zu sein, die völlig überzogene Illusion zu verbreiten, alles beeinflussen zu können und maximal selbstwirksam zu sein (In-Mind Magazin). Brecht hier und da mal aus euren alteingesessenen Mustern und Routinen aus, die euch im Alltag nämlich ganz zuverlässig davor bewahren, unbekannten Menschen und Ereignissen zu begegnen. Zweifelsohne haben routinierte Abläufe ihren Zweck, sollen sie uns schließlich im Alltag Struktur und Sicherheit geben, doch mit Routinen ist es wie mit Medikamenten. Zu gering dosiert, haben sie kaum eine Wirkung, kaum einen Nutzen, doch bei Überdosierung lassen sie uns unfähig werden, das Leben zu spüren. Das Leben mit all seinen Eigenarten und Zufällen, mit all seinen Begegnungen und Herausforderungen, mit all seinen Widersprüchen und Widrigkeiten und mit all seinen Chancen und Möglichkeiten. Und natürlich mit all seinen Überraschungen, die es für uns bereithält und mit denen es uns einlädt, daran zu wachsen.

„Eine Komfortzone ist ein gemütlicher Ort. Aber dort wächst nichts.“ (Verfasser unbekannt)

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