Seelenfutter: Loslassen

Mit diesem Post möchte ich auf meinem Blog eine neue Rubrik einführen, nämlich die Rubrik „Seelenfutter“. Ich war ja schon mein ganzes bisheriges Leben ein kleiner Schreiberling. Seit meiner Kindheit habe ich immer wieder Texte, Gedichte und Lieder geschrieben über Dinge und Themen, die mich in den jeweiligen Lebensphasen beschäftigten. Es war und ist auch heute noch wie Therapie für mich, die Gedanken und Gefühle, die sich in mir befinden und die mich mitunter auch belasten, einfach aus mir herauszuschreiben und damit auch zu entwirren, zu klären, zu benennen oder eine Analogie dafür zu finden, in die ich das jeweilige Thema packen kann. Ohne es selbst bewusst zu wissen, habe ich damit schon damals eine sehr konstruktive und selbstfürsorgliche Methode angewendet, die meiner psychischen Gesundheit in all den vergangenen Jahren sehr dienlich war. Vielleicht ist es kein Wunder, dass ich später Psychologie studiert und eine Therapeutenausbildung gemacht habe. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich nun dazu entschlossen, meine Gedanken hier zu veröffentlichen und sie euch somit zugänglich zu machen, damit auch ihr vielleicht etwas davon mitnehmen könnt, das euch hilft. Zwar ist dies ein Foodblog, den ich einst ins Leben gerufen habe, weil ich gerne koche und backe und weil ich für gut befundene Rezepte mit der Welt teilen und meinen kochtechnischen Fortschritt für mich selbst dokumentieren wollte, doch ich bin der Meinung, dass es nicht nur gutes, nährstoffreiches Essen braucht, um unseren Körper und unsere Seele zu nähren und zu stärken, sondern eben auch psychologisches Futter. Darum wird mein Blog euch in Zukunft nicht mehr nur mit kulinarischen Inhalten versorgen, sondern auch mit psychologischen. Der nachstehende Text wird also mein erster Beitrag in dieser Rubrik sein und ich habe ihn bereits Anfang Oktober geschrieben, als sich draußen die Blätter verfärbten und der Herbst allmählich Einzug hielt. Lasst euch also inspirieren…

„Der Herbst ist eine Zeit des Wandels und des Loslassens. Die Tage werden kürzer, das Licht wird weniger, die Temperaturen sinken und die Bäume merken, dass es allmählich Zeit wird, sich von allem, was übermäßig Energie raubt, zu verabschieden. Im Zuge dessen schraubt der Baum die Photosynthese zurück, indem er seinen Blättern den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll entzieht und diesen in Wurzeln, Stamm und Ästen einlagert. Die Blätter verfärben sich, sterben ab und fallen mit dem nächsten Windstoß zu Boden. Der Baum hat gelernt, sich an die Witterung, also an die äußeren Umstände anzupassen und sich seine Ressourcen gut einzuteilen, um den bevorstehenden rauen Winter zu überleben. Loszulassen von unnötigem Ballast ist für ihn ein natürlicher und sich jedes Jahr wiederholender Vorgang.

Wir Menschen könnten viel von Bäumen lernen. Auch unser Leben ist häufig geprägt von zahlreichen Belastungen. Wir wechseln nicht den Job, obwohl er uns keinen Spaß macht und wir viel zu gering dafür entlohnt werden, wir bleiben in einer Partnerschaft, obwohl diese uns nicht glücklich macht, wir umgeben uns mit vermeintlichen Freunden, die uns jedoch runterziehen oder sich nur dann bei uns melden, wenn sie etwas von uns brauchen. Ähnlich wie bei den Bäumen, würde es auch uns Menschen gut tun, sich hier und da regelmäßig von kräfteraubendem Ballast zu befreien und loslassen als etwas zu begreifen, das unserer Gesundheit, unserer Selbstfürsorge dienlich ist. Loszulassen bedeutet, die Hände frei zu haben für Neues. „Loszulassen kostet uns weitaus weniger Kraft als festzuhalten und dennoch ist es oft schwerer.“ (Detlev Fleischhammel). Vielleicht können wir im Kleinen damit beginnen, uns von überschüssigem Ballast zu befreien und damit unser Leben etwas leichter und beschwingter zu machen. Das können die eingestaubten Kisten auf dem Dachboden sein, die ich endlich beginne, zu entrümpeln oder das Zeitschriftenabo, das ich endlich kündige, weil ich die Zeitschrift eigentlich gar nicht mehr gerne lese und sie nach ihrem Erhalt ein Schattendasein auf dem Wohnzimmertisch fristet, bevor sie in die Altpapiertonne wandert. Wir brauchen nur anzufangen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.